Opaque Waters is the title of an installation manly composed by two objects, both of a familiar nature to us all. At your left hand -if you are standing in front of the gallery wall in which they hang from- there is a stretched fragment of a 1940’s table cloth that has been mounted on a heavy plexiglass, with same measurements, both the table cloth and the plexiglass, give you the impression that ‘something’ is hidden between them. The other object is a Hi-Fi sound amp that hangs from the wall as a picture frame does. In this case the amp is disconnected from the power so it is in silence, its only function is to be the support of a printed image, a digitally generated map of all Atlantic retired hurricanes. Both of these objects are quite absurd but there is something that gives to both much sense and that is that they share the impossibility of performing their function. Originally these two objects are meant to be horizontal objects, bringing them both to the vertical position is a claim of action, they are now standing in front of us, apparently without anything to say. Did I forget to mention of the flying ducks printed on the table cloth? The flying ducks together with the ‘hurricanes’ shape the narrative of this wall installation. I have amplified hurricanes from my living room while wild ducks were flying in silence.

Birds, Plants and a Chair zeigt mit Björn Braun, Diango Hernández, Laura Lamiel, Jürgen Drescher und Vajiko Chachkhiani fünf Künstler unterschiedlicher Generationen, deren Arbeiten im Verlauf skulpturaler Prozesse zur poetischen Manifestation existentieller Erzählungen im Raum werden, indem sie Ausgangsmaterialien und -situationen sowohl formal als auch mental umdeuten.

Diango Hernández’ Werk ist geprägt von einer Dissonanz zwischen kollektivem und subjektivem Beschreiben von Geschichte. Im Zusammenspiel teils gefundener, teils neu produzierter Bestandteile, brechen seine installativen Arrangements lineare Erzählungen von Realität auf und sind Beginn eines Clusters möglicher Ereignisse. Die Sicht auf Realität ist für Hernández das Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die in seinen Arbeiten kulminieren. Ausgangspunkt seiner komplexen Gedankenspiele sind seine in Kuba verbrachte Kindheit und Jugend, die einerseits von politisch definierten Sichtweisen auf Realität geprägt, andererseits aber durch autobiografische Erlebnisse aufgelöst wurden. Nicht zuletzt durch Hernández privaten Entschluss in den 1990er Jahren ins Ausland zu gehen, um anderen Kontexten zu begegnen, die wiederum in seine Arbeiten einfließen.
Die 2-teilige Wandinstallation “Opaque Waters” besteht aus einer in Dresden gefundenen Tischdecke aus den 1940er Jahren, die über einen Keilrahmen zum “Bild” gespannt wurde. Das pittoreske Motiv fliegender Enten in einer Landschaft verdeckt den historischen Ursprung des Fundstücks. Gleichzeitig stört eine zwischen Keilrahmen und Wand montierte Plexischeibe die kontemplative Betrachtung des “Bildes”. Der Blick schwenkt zum rechten Fragment von “Opaque Waters”, einem Hifi-Verstärker, der hier zum stummen Bildträger einer digital erzeugten Karte wird, die sämtlicher Atlantikstürme als feine Zeichnungen über der Weltkugel abbildet. Während man die Zeichnungen der Sturmverläufe als “schön” beschreiben möchte, erkennt man bei geografischer Betrachtung, dass sich hinter einer besonders dichten Ansammlung von Linien, Kuba verbirgt. Im Zusammenspiel beider ‘ihrer Funktion beraubten Objekte’ entwickelt “Opaque Waters” ein irritierendes Moment, in dem dann die subjektive Vorstellung die Erzählung weiter treibt.

Björn Brauns Collagen, Objekte und Installationen bestehen aus Prozessen der Transformation. Der Beobachtung von bestehenden Situationen, Objekten und Materialien aus der Natur und dem Alltag folgen Björn Brauns präzise Eingriffe. Formal verbinden seine Arbeiten Aspekte von Arte Povera, Performance- und Minimal Art.
In der Synthese von Entfernen und Hinzufügen wird die logische Abfolge von Ursprung und Ende eines “realen” (Kunst-)Objekts jedoch verkehrt und das jeweilige Material zum Träger von neuen Erzählungen. Die beiden neuen Collagen “Untitled” bestehen aus den Abbildungsteilen gefundener antiquarischer Bücher. Während eines aufwendigen Arbeitsprozesses schneidet Björn Braun Stück für Stück Fragmente aus den bestehenden Abbildungen heraus, die dann eins zu eins Elemente neuer Konstruktionen auf dem jeweiligen Bild werden. So entsteht in der einen Arbeit die Fachwerkhütte inmitten einer vermeintlichen “Schneelandschaft” oder architektonische Bauteile eines Kernkraftwerks werden zur idyllischen Berglandschaft.
Das 2-teilige Objekt “Untitled” besteht aus zwei dekonstruierten Stühlen. Ein schwarzer und ein weißer Kunststoffstuhl wurden zwischen Sitz- und Rückenebene zerlegt, neu als ‘Sitzgelegenheit’ zusammengefügt und die anderen Teile zu einem objekthaften “Abstract Painting” verschmolzen. Die beiden Stühle sind ihrer eigentlichen Funktion des Sitzens enthoben und werden in der Rekonstruktion zu einem “Bild des Betrachtens”, das auf ironisch subtile Weise Erzählungen über Kulturen des Alltags und Musegangs beginnt.

Jürgen Dreschers Werk ist charakterisiert durch ein Arbeiten mit Alltagsgegenständen. Seine ersten bekannten Arbeiten wie “DRESCHER Bar” (1981), “Zu groß für über’s Sofa” (1984) oder “Foyer” (1985) waren skulpturale und installative Anordnungen gefundener, abgenutzter Materialien im Sinne des Ready-mades. Im Werkprozess ironisch subtiler Beobachtung bilden bereits diese ersten Arbeiten eine Art “Limbo” zwischen Wirklichkeit und deren Modell als Rahmen möglicher Handlungen. Jürgen Dreschers aktuelle Arbeiten wie “Kiste” (2008-2014), “Cushion (centred)”, 2011 oder “Yorgan II”, 2012 fokussieren den Blick auf banale Objekte des Alltags. Diese sind allerdings nun nicht mehr als Original Teil einer Anordnung, sondern werden im Prozess eines aufwendigen Abgusses in Aluminium Abbild ihrer selbst. Damit entziehen sich die Arbeiten sowohl der Idee des Ready-mades als auch ihres ursprünglichen Designs und Funktionalität. Als Abdruck der Realität zeigen Dreschers Objekte sämtliche zeitliche Gebrauchs- und Abnutzungsspuren ihrer “Vorbilder”. Sie bilden eine abstrahierte Metapher für Erzählungen des Alltags. Drescher vergleicht seine Objekte mit einem Fund, sowohl im Sinne des “Fundstücks”, als auch in der englischsprachigen Bedeutung “fund” (= Kapital), die eine Untersuchung der Eigenheiten sozialer Realität ermöglichen, sowohl der eigenen Künstlerexistenz, als auch der äußeren Umgebung. Indem Drescher seine Fundstücke in Abgüsse transformiert, formuliert er gleichzeitig eine Art “Hommage”, die das jeweilige Objekt mit seinen Gebrauchsspuren vor einem Vergessen in der Sphäre der Banalität bewahrt und auf neuen Erzählebenen positioniert.

Laura Lamiels skulpturale und fotografischen Szenografien bilden Überlagerungen unterschiedlicher Raum- und Erzählstrukturen. Ursprünglich als Malerin ausgebildet, überträgt sie seit den späten 1980er Jahren bildhafte Arrangements in den Raum. Hier konfrontiert sie minimalistische Elemente, wie weiß emaillierte Metallpaneele oder Neonleuchten mit gefundenen Gegenständen des Alltags und ihres eigenen Künstlerstudios. Die Überlagerung unterschiedlicher Raum- und Objektkonstellationen, wie die Übertragung von experimentellen Ateliersituationen in den Ausstellungsraum, die Konfrontation streng rationaler Formen mit intuitiven Elementen, bezeichnet Lamiel als “formalen Schock”. Dieser führt immer wieder zu einer Neu-Positionierung des eigenen Blicks und Hinterfragung über den Status des Werks, das man vor sich sieht oder in dem man sich sprichwörtlich bei Lamiel befindet.
Lamiels frühe Fotografie “Untitled” dokumentiert eine reale Arbeitssituation ihres Ateliers, die gleichzeitig auch als modellhaftes Arrangement vor der Kamera das fiktive “Bild” eines Künstlerateliers sein kann und durch das Collagieren einer Folie über den Bildträger gleichzeitig zum Objekt wird.
Die beiden Objekte “L’espace du dedans (Innerer Raum) 1” und “2” verbinden im eng definierten Raum zweier gefundener Koffer die für Lamiel charakteristischen Elemente wie Neonleuchten, minimale Oberflächen und Fotografien. Als eine Art “Szene in der Szene” offenbaren sie den Beginn zahlreicher Erzählungen über den Alltag, die Künstlerin oder uns selbst.

Vajiko Chachkhianis Arbeiten basieren auf den Grundfragen menschlicher Existenz. Seine prozessualen Objekte und Installationen spüren den Strukturen innere Grundkonflikte nach, allerdings ohne moralische Bewertung. Negative Aspekte sind immer mit Positivem verbunden. So stehen für Chachkhiani die Themen Tod, Gewalt und gesellschaftliche Konflikte immer auch mit Leben, Intimität und Poesie in Verbindung. Seine Werke basieren auf performativen Aktionen, deren Spuren menschlicher Handlungen und Interaktionen sichtbar bleiben. Es entstehen poetisch skulpturale Manifestationen menschlicher Individualität einerseits, kollektiver Geschichte und Erinnerung andererseits und inwieweit diese unter politischen und sozialen Einflüssen stehen. Nicht selten spielt dabei seine Heimat Georgien eine Rolle, wie bei der Werkgruppe “The Missing Landscape”, die während des Kaukasuskrieges verbrannte Kiefern reinszeniert und fehlende Elemente durch eingeschmolzene Patronen georgischer Jäger skulptural rekonstruiert. Immer geht es im die Übersetzung menschlicher Handlungen, Lebenszeit und ihrer Konsequenzen. So auch bei dem Objekt “Two Portraits of the Same Person (who is not the same anymore)”, das aus zwei zueinander gewandten Spiegelflächen besteht.
Im Jahr 2013 nahm Chachkhiani die Körpergröße und -breite von Iviko, einem georgischen Jungen, der dort im Waisenhaus lebt. Chachkhiani übersetzt die damals aktuelle körperliche Beschaffenheit des Jungen in die minimale Form seines Objekts, das gleichzeitig sehr poetisch auf den nicht greifbaren Verlauf von individueller Lebenzeit und mentaler Entwicklung verweist. Daran knüpft ebenfalls der Film “Chapter with No End”. Der ungeschnittene Film zeigt in fester Einstellung wie sich ein Mann auf ein bestehendes Grab schlafen legt. Die Szene beginnt am Tag und endet in der Nacht. Das Konzept der Darstellung eines realen Zeitverlaufs spielt auf Andy Warhols Film Sleep von 1963 an. Während Warhol allerdings den voyeuristischen Blick des Betrachters “inszeniert”, entwickelt Chachkhiani eine persönliche und allegorische Poesie über den Kreislauf von Leben und Tod.

Birds, plants and a chair
March 14 – May 8, 2015
Opening March 13
Laura Lamiel, Björn Braun, Jürgen Drescher, Diango Hernández, Vajiko Chachkhiani

Kadel Willborn
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