Münster – Das Konzept seiner Kunst sei Transformation, erklärt Diango Hernández. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Zum einen die Übertragung gegenwärtiger Vorstellungen auf Künftiges, zum anderen die von Heimat auf die Welt. Und dann gibt es noch eine Art der Transformation, die sich rein auf die Dimensionen bezieht. Letztere ist die augenfälligste und äußert sich im originalgetreuen Nachbau eines Puppenhauses, das in den 1970er Jahren in einem Kombinat der DDR im modernistischen Stil hergestellt wurde.

Das Modell und sein vergrößerter Nachbau bilden das Kernstück der „Eugene“ betitelten Ausstellung in der Kunsthalle Münster. Sie stehen sich frontal gegenüber und bergen auch die beiden anderen Arten der Transformation. Hernández hat das Puppenhaus im Trödel entdeckt und sich überlegt, was sich das Kind, dem es gehörte, für seine Zukunft ausgedacht haben mag. Eine Zukunft, dem die alte Heimat DDR mittlerweile abhanden gekommen ist. Ebenso wie dem Künstler, dem nach Aufenthalten in mehreren Ländern seine Heimat Kuba abhanden gekommen ist.

Auf eine Innenwand des Puppenhauses ist etwas gekritzelt, das sich nicht eindeutig identifizieren lässt. Diese Kinderzeichnung hat Hernández in sieben Bildern unterschiedlicher Größe nachgebildet und an die Seitenwand gehängt, wo sie die Fantasie des Betrachters herausfordern. Eine Fantasie, die sich im Zusammenhang mit dem Puppenhaus unwillkürlich auch auf die eigene Kindheit richten wird. In diesem Fall eine Transformation von der Gegenwart in die Vergangenheit, angereichert mit dem historischen Wissen, das wir von der DDR als untergegangenem Staat haben.

Nicht untergegangen ist der Sozialismus in Kuba. Hier fand er Ausdruck in den stundenlangen Reden Fidel Castros, die immer mit einem kämpferischen „Venceremos“ (Wir werden siegen) schlossen. Die Rhythmik dieser Formel hat Hernándes in eine Wellenlinie aus blauer und roter Farbe übersetzt, die sich im zweiten Raum über die Wand zieht. Auch hier findet Transformation statt – die von Sprache in Malerei und die vom Ende der Rede in das Ende des Landes, wenn das Meer beginnt, hinter dem Floridas Küste liegt.

Westfälische Nachrichten
“Eugene” Diango Hernández solo exhibition 30. June – 6. September 2015
Kunsthalle Münster
Hafenweg 28
48155 Münster
Germany
kulturamt@stadt-muenster.de
Kunsthalle Münster | supported by Friends of the Kunsthalle Münster | The exhibition is supported by Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

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